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Ein Abriss der medizinischen Behandlung

Der Glasgower Altenpsychiater Graham Jackson legte in seinem Vortrag: Dementia: „Future Trends – New Clinical Thinking“ zunächst eine kleine Geschichte der  Alzheimer-Forschung vor.

Zwar war die Krankheit 1909 zum ersten Mal beschrieben worden, doch bis in die 60er Jahre war nicht klar, ob die Demenz eine normale Alterserscheinung ist. In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde begonnen, die Alzheimer Krankheit näher zu erforschen und in den darauf folgenden 20 Jahren wurden weitere Arten der Demenz vom Typ Alzheimer unterschieden. In den 90er Jahren begann die medikamentöse Behandlung.

Die rasant steigende Brisanz des Themas hängt mit der zunehmenden durchschnittlichen Lebenserwartung zusammen. Noch 1930 betrug die durchschnittliche Lebensdauer von Männern 59 Jahre und von Frauen 63 Jahre – die Alzheimer-Erkrankung wurde dadurch seltener manifest. (BBS)

Der Vortrag von Dr. Jackson, Consultant Old Age Psychiatrist, Glasgow,  hat für mich (Willi Rückert) die Notwendigkeit unterstrichen, das Medizin-Modell in der Weise zu ergänzen, wie Mary Marshall es in ihrem Einführungsvortrag vorgeschlagen hat. 

Provozierend war die These Jacksons:

 „Drug company sponsored trials have demonstrated/claimed improved daily living skills, cognitive abilities and delay in institutionalisation – Not confirmed by naturalistic studies”

Dr. Jackson berief sich auf Publikationen aus den Jahren 2003 und 2004 in Fachzeitschriften, in denen die vergleichsweise geringe Wirksamkeit bestimmter Medikamente thematisiert und effektivere Behandlungsmethoden für Alzheimer gefordert werden.

 Die klinische Praxis zeigt unabhängig hiervon einige positive Wirkungen des Medikamenten-Einsatzes:

„The availability of drugs has led to earlier diagnosis and referral, increased supports, feelings of „something has been done“ and reduction of stigma”.

 Die Kehrseite der gegenwärtigen Behandlungen sind allerdings:

-         “Side effects of drugs

-         False hopes

-         Increased medicalisation

-         Too early (and perhaps wrong) diagnosis

-         Inhibition research in other directions

-         Misdirecting focus of pressure groups

-         Cost”

Danach thematisierte der Referent den Zusammenhang von Verhalten und Demenz und den Einsatz von Neuroleptika. Im Jahre 1996 hätten 24 % der Pflegeheimbewohner Neuroleptika bekommen. Inzwischen gibt es „Different drugs!“

 Die Behandlungen erfolgten allerdings selten gezielt. Es werde zuviel Vertrauen in die medizinischen Behandlungen gesetzt. Es gibt wenig gute qualitätvolle Forschung. Eine verstärkte Entwicklung von „specialist“ units ist im Gange und die Pflegeheime sind stärker „business orientated“.

 Neuere Entwicklungen in der Behandlung sind:

-         Memantine

-         Nerve Growth Factor

-         Anti amyloid vaccination

-         Nero-protective drugs

-         Anti-inflammatory drugs

-         Antioxidants

-         Gene Therapy

-         Foetal cell transplants

 Andere Entwicklungen:

-         Genetics

-         Oestrogen

-         Statins

-         Prevention

-         Education and Support

Im Bereich des Screenings:

-         Cognitive testing

-         Other tests

-         Genetics

-         ApOE

-         Scanning

Dann stellte der Referent die Frage: Neurologie oder Psychiatrie? Und sprach kurz die Rolle der psychiatrischen Kliniken und die Rolle der traditionellen Tageskliniken in der Pflege von Menschen mit Demenz an.

Zum Schluss fasst er zusammen: Neu sind:

-         Earlier Diagnosis

-         Early Diagnosis Support Groups, with related carer support

-         Home based care – integration with Social Services

-         Roving Clinics

 Auf die Zukunft bezogen thematisierte er das “Neuroimaging” zur Quantifizierung von Ablagerungen, durch die Tumore und vaskuläre Probleme angezeigt werden können und einige Hinweise auf Alzheimer. Dann zeichnete er ein mögliches Zukunftsbild für das Jahr 2015, wonach dann bei allen über 50jährigen in den Shopping Malls von Florida die Ablagerungen untersucht werden und es eine neue Diagnose gibt: Alzheimer ohne kognitive Einschränkungen.

  • Willi Rückert

Der Vortrag von Graham Jackson wurde kontrovers diskutiert, denn einige Teilnehmer/innen schätzen durchaus die zur Verfügung stehenden Medikamente.