|
| |

Ein Bericht von einem Sommerkurs an der
Universität Stirling/Schottland
Wenn es auf einem Gebiet in Theorie und
Praxis erfreuliche
Fortschritte gibt, so stecken dahinter im Allgemeinen hochkompetente Personen
und Institutionen, die sich zu Netzwerken zusammenschließen. Ein wichtiger
Knotenpunkt einer solchen Entwicklung im Zusammenhang mit Demenz ist das „Dementia
Services Development Center“ an der Universität
Sterling/ Schottland mit seiner Direktorin Prof. Mary Marshall. Das Zentrum
pflegt in Deutschland z.B. enge Kontakte zum
Kuratorium Deutsche Altenhilfe in Köln und dem
Dementia
Support in Stuttgart.
Ich selbst arbeite an Empfehlungen zur Prävention der
Alzheimererkrankung durch Ernährung sowie zur Ernährung von Menschen mit Demenz.
So habe ich mich besonders gefreut, als mir die Robert Bosch Stiftung zusammen
mit sechs anderen Deutschen die Teilnahme an der Summer School in Sterling mit
dem Titel: „New Approaches on
Dementia“ ermöglichte. Der Kurs dauerte vom 19. bis 23 Juli 2004.
|
 |
 |
|
Stirling liegt eingebettet in die schottische Hügellandschaft.
Im Vordergrund der Universitätscampus |
Das Iris-Murdoch-Gebäude auf dem Universitätsgelände
ist ein Zentrum der Alzheimerforschung |
42 Teilnehmer/innen aus Deutschland,
der Schweiz, Großbritannien, Brasilien und den USA hörten eine Woche lang
Vorträge, sahen die Arbeit für Menschen mit Demenz vor Ort und tauschten Ansichten und Erfahrungen
aus. Voll neuer Ideen und mit einem vergrößerten Netzwerk Gleichgesinnter kehrte
jeder an seine Arbeitsstelle zurück.
Das Treffen war nicht nur international, vertreten waren
auch verschiedenen Berufsgruppen wie Ärzte, Pfleger, Experten für
dementengerechtes Wohnen, ein Heimkoch und andere.
Entsprechend vielfältig waren die Themen:
-
Mary Marshall machte deutlich, dass stets
verschiedene Sichtweisen einzubeziehen sind.
-
Das Iris
Murdoch-Building ist ein Vorbild und Beispiel für
dementengerechtes Wohnen
und die Umgebungsgestaltung war ein wichtiges Thema der Summer
School.
-
Eine Möglichkeit für Menschen mit Demenz, länger in der eigenen Häuslichkeit zu
wohnen und zugleich eine Erleichterung für Angehörige könnte
technologiegestütztes Wohnen sein. Wie gut sie sich in der Praxis bewährt wurde in
einem Modellversuch in Lanarkshire erprobt. Ich
unternahm dorthin einen Tagesausflug.
-
In einem Modellversuch der Joint
Dementia Intiative wurde Tages- und Kurzzeitpflege in Privathaushalten erprobt.
Hierzu gab es einen Vortrag und eine
Exkursion.
-
Prof. Chris Johnson vom “Institute of
Gerontology” der University of Louisiana gab mit seinen Theorien Hilfen,
Menschen mit Demenz besser zu verstehen. Man muss den jeweiligen Zustand und die
Bedürfnisse der einzelnen Kranken richtig einschätzen, um angemessen mit ihnen
umzugehen.
-
Ein weiteres wichtiges Thema ist die letzte Lebensphase,
das Sterben des Menschen mit Demenz. Schwierigkeiten sind, dass das Sterben sich
sehr lange hinziehen kann und der Beginn der Sterbephase schwer zu
bestimmten ist. Auch ist es nicht leicht zu erkennen,
ob die Patienten Schmerzen haben. Dazu kommt die Frage, ob Sondennahrung
verabreicht werden soll.
-
Menschen, die an Demenz leiden, verlieren zwar viele
kognitive Fähigkeiten einschließlich der Fähigkeit, sich sprachlich
auszudrücken. Die Kreativität kann hingegen sogar zunehmen und
Kunst wird damit die wichtigste Art, sich auszudrücken. Kate Allan berichtete
von ihrer Arbeit.
-
Der Vortrag über Geschichte und Zukunft der
medizinischen Behandlung von Alzheimer gab beschränkte Hoffnung, dass die
Krankheit in Zukunft besser in Zaum gehalten werden kann. Von zentraler
Bedeutung dabei ist die rechtzeitige Erkennung und interdisziplinäre Behandlung.
-
Aber auch heute wäre theoretisch viel
mehr möglich, als tatsächlich getan wird. Der Frage, wie die Kluft zwischen
Anspruch und Wirklichkeit durch bessere
Beratung, Weiterbildung und Betreuung von Personal geschlossen
werden kann, waren mehrere Vorträge gewidmet.
Gegen Ende gab Prof. Mary Marshall den
Teilnehmer/innen drei Richtlinien mit auf den Weg.
-
Akzeptiere Demenz, wenn sie auftritt
-
Befasse dich mit Demenz
-
Versuche, die Welt mit den Augen der Demenzkranken zu sehen.
Hier zieht Bärbel Gregor eine Bilanz
über den Nutzen der Summer School für das eigene
Arbeitsfeld.
Wer sich für die Reisebedingungen und die Kosten
interessiert findet hier einige
Informationen.
Die deutschen Kursteilnehmer:

von links nach rechts:
Markus Biedermann, Dr. Brigitte
Bauer-Söllner, Dr.
Jan Holthues, Dr. Barbara Höft,
Barbara Gregor,
Dr. Willi Rückert, Dr. Tanja Zieschang
|