Ernährung und Alzheimer

 

Vorbeugen ist besser als heilen. Letzteres ist bei der Alzheimerkrankheit derzeit nicht möglich, doch wie ist es mit der Vorbeugung vor und nach dem ersten Auftreten von Symptomen?

Die Ursachen, welche langfristig zur Erkrankung führen sind vielfältig und in ihrem komplexen Zusammenspiel keineswegs geklärt.

Viele Beobachtungen und Studien deuten jedoch darauf hin, dass Änderungen des Lebensstils und der Ernährungsgewohnheiten einen Beitrag zur Reduzierung des Risikos leisten können.

Untersucht und diskutiert werden vor allem die antioxidativ wirkenden Vitamine E und C, eine Reihe von B-Vitaminen, sekundäre Pflanzenstoffe sowie Fettsäuren in der richtigen Zusammensetzung. Als weitere Faktoren, die sich zumindest auf das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz auswirken, werden genannt: die Gesamtenergieaufnahme und das Verhältnis von Kohlenhydraten, Fett und Eiweißen in der Ernährung. Die meisten von uns essen zuviel, zu fett und zu süß.

Antioxidantien

Es wird allgemein angenommen, dass Alterungsprozesse des Menschen mit der Aktivität freier Radikale in Zusammenhang stehen. Das Entstehen freier Radikale kann nicht verhindert werden, denn sie entstehen im Körper im Rahmen von Stoffwechselprozessen und vermehrt bei Stress. Schädlich sind auch Rauchen, verschmutzte Luft und die UV-Strahlen der Sonne. Freie Radikale sind Sauerstoffmoleküle, denen ein Elektron fehlt. Auf der Suche nach ihrem fehlenden Elektron oxidieren sie Fette, Proteine oder DNS und schädigen dadurch unter anderem die Gehirnneuronen. Es liegt nahe anzunehmen, dass ein Überschuss an Freien Radikalen auf diese Weise auch zur Entstehung von Alzheimer beitragen kann.

Antioxidantien, die mit der Nahrung aufgenommen werden, können freie Radikale unschädlich machen. Im Zusammenhang mit der Alzheimer-Prävention wurden bereits untersucht: Die Vitamine E und C sowie verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe, insbesondere Beta-Carotin und Flavonoide.

Es gibt Hinweise, dass das Fortschreiten von Alzheimer im Anfangsstadium durch Gaben von Vitamin E sogar hinausgezögert werden kann. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungen hat ihre Empfehlungen für die notwendige Tageszufuhr von Vitamin E im Jahr 2000 heraufgesetzt. Umstritten ist, ob das Vitamin in Form von Pillen eingenommen werden soll oder ob genug davon über die Nahrung zugeführt werden kann. Getreide, Nüsse, Mandeln, Milch und Eigelb als Vitamin E-Lieferanten haben in jedem Fall den Vorteil, dass weitere wertvolle Mikronährstoffe enthalten sind.

Hervorragende Quellen für Vitamin C sind beispielsweise Gemüsepaprika, Zitrusfrüchte, Blumenkohl und Kiwi.

Außer den genannten Vitaminen wird einer Vielzahl sekundärer Pflanzenstoffe präventive Wirkung zugeschrieben, insbesondere den Flavonoiden.

Flavonoide sind als Farbstoffe in Pflanzen enthalten, je bunter wir essen umso besser.

Ein Beispiel ist das Antioxidans Quercetin, das als das bisher am besten untersuchte Flavonoid gilt und das überdies entzündlichen Prozessen vorbeugen soll. Erst jüngst wurde die Wirksamkeit in der Prävention von Alzheimer von Forschern der Cornell University in Geneva, N.Y. bestätigt. Am meisten von dieser Substanz enthalten Zwiebeln und Schnittlauch, am leichtesten kann man die wirksame Menge mit ungeschälten roten Äpfeln oder auch mit Grünkohl zu sich nehmen. Doch auch grüner und schwarzer Tee enthalten die Substanz.

Dem Farbstoff Curcumin, der in Curry enthalten ist, wird nachgesagt, dass er die Produktion körpereigener Antioxidantien ankurbelt. Es wird vermutet, dass diese Substanz auch die Nervenzellen schützt. In Indien, wo sehr viele Currygerichte gegessen werden, soll die Zahl von Alzheimer-Erkrankungen deutlich geringer sein als in den westlichen Ländern.

Das in roten Trauben und in Rotwein, aber auch in Erdnüssen (insbesondere den Schalen) enthaltene Flavonoid Resveratrol hat ebenfalls eine antioxodative Wirkung und könnte vor Alzheimer schützen.

Grüner Tee enthält neben zahlreichen anderen Wirkstoffen antioxidativ wirksame Flavonoide, die Catechine, es gibt Studien, die eine schützende Wirkung gegen Alzheimer belegen.

 

Unter den Mineralien schützt insbesondere Selen vor zellschädigenden freien Radikalen. Gute Selenquellen sind Fisch, Fleisch, Getreide, Nüsse und Hülsenfrüchte.

Zink soll nicht nur als Antioxidans wirken, sondern darüber hinaus die Bildung von Eiweißbruchstücken im Gehirn verhindern.

An der amerikanischen Tufts-Universität wurde eine Rangliste der Lebensmittel nach der „Kraft gegen freie Radikale“, die ORAC veröffentlicht.

An der Spitze dieser Liste stehen Dörrpflaumen, gefolgt von Rosinen, Brombeeren, Knoblauch, Erdbeeren, Spinat, Himbeeren, Brokkoli und Roter Beete.

Eine Rangliste mit zahlenmäßiger Bewertung kann abgerufen werden unter

http://www.golonglife.de/2002_01/brainfood.htm

 

Fette

Fett ist nicht gleich Fett, denn die Fettsäurezusammensetzung macht den Unterschied.

Einen Teil der Fettsäuren kann der Körper selbst herstellen, das ist an den eigenen Fettpölsterchen zu beobachten. Andere Fettsäuren, die Körper dringend braucht, müssen mit der Nahrung aufgenommen werden und werden deshalb essentiell genannt.

Man unterscheidet des Weiteren die in ihrer Konsistenz festen gesättigten Fettsäuren von den flüssigeren einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, wie sie beispielsweise in Speiseöl vorkommen. Gesättigte und ungesättigte Fettsäuren sind im Hinblick auf die Prävention von Alzheimer sehr unterschiedlich zu beurteilen. Auswertungen der so genannten Rotterdam Studie mit 5395 über 55jährigen Teilnehmern deuten darauf hin, dass eine hohe Aufnahme an Fett insgesamt, sowie an gesättigten Fettsäuren und an Cholesterin mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden ist.

Relativ neu ist die Erkenntnis, dass ein Überangebot an den (ungesättigten) Omega 6-Fettsäuren (u.a. Linolsäure) im Gehirn Entzündungen fördern kann, wohingegen Omega 3 Fettsäuren (u.a. Linolensäure), eine protektive Wirkung zugeschrieben wird. Sie könnten sogar an der Regeneration von Nervenzellen beteiligt sein. Amerikanische Forscher haben erst kürzlich vermutet, dass eine an Omega-3-Fettsäuren reiche Ernährung die Nervenzerstörung im Gehirn von Alzheimerkranken hinauszögern kann.

Eine japanische Studie, die 2001 gestartet wurde, wies auf eine Beziehung zwischen dem Verhältnis von Omega 3 und Omega 6 Fettsäuren im Blutspiegel und in der Ernährung einerseits und kognitiven Funktionen anderseits hin.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat im Jahre 2000 ihre Empfehlungen der gestiegenen Wertschätzung der Omega 3 Fettsäuren angepasst (http://www.dge.de/Pages/navigation/presse/spez0100.htm)

Das Verhältnis bei der Aufnahme von gesättigten zu ungesättigten Fettsäuren soll 1 zu 2 betragen, das Verhältnis von Omega 6 zu Omega 3 Fettsäuren weniger als 5 zu 1.

Daraus ergibt sich, dass der Verzehr tierischer Fette einzuschränken ist mit Ausnahme von fetten Meeresfischen wie Lachs, Makrele und Hering.

Die Rangliste der Öle hat sich verändert, bevorzugt werden heute Leinsamen- und Rapsöl, während Sonnenblumen- und Distelöl, welche keine Omega 3 Fettsäuren enthalten vielfach nicht mehr empfohlen werden, ebenso wenig gehärtete Pflanzenfette.

Eine Rangliste der Öle findet sich unter

http://www.balsamoel.de/gesundheit/brainfood_2.htm

 

Folsäure, Vitamin B 12 und B 6.

Die Aminosäure Homocystein ist ein toxisches Abbauprodukt unseres Eiweißstoffwechsels. Normalerweise wird sie durch Folsäure aus dem Kreislauf entfernt; die Vitamine B6 und B12 sind an dem Geschehen beteiligt. Wenn nicht genügend Folsäure zur Verfügung steht, so steigt der Homocysteinspiegel im Blut.

In verschiedenen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass die Alzheimer-Krankheit, bzw. Altersdemenz sehr stark mit dem Homocysteingehalt korreliert.

Die empfohlene Zufuhr von Nahrungsfolat wurde wegen der präventiven Wirkung von Folsäure auf den Homocysteinspiegel im Plasma von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung im Jahr 2000 heraufgesetzt. Gute Folsäurequellen sind z.B. Weizenkeime und –kleie; Tomaten; Leber von Hähnchen, Kalb und Schwein; Blattgemüse; Hefe und Erdnüsse. Folsäure ist empfindlich gegen Licht, Sauerstoff und Hitze und kann wegen ihrer guten Wasserlöslichkeit beim Kochen leicht ausgelaugt werden. Wahrscheinlich kann auch eine gesunde Darmflora ein Teil des Bedarfs decken, dennoch gilt Folsäure neben Vitamin D als das einzige Vitamin, an dem in Deutschland in größerem Umfang Unterversorgung vorliegt.

Vitamin B12, das am Abbau von Homocystein beteiligt ist, kommt nur in tierischen Lebensmitteln wie Fisch, Milch und Milch-Produkten, Eiern und Fleisch vor.

Vitamin B6 ist in Fleisch, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten vorhanden.


Kalorienzufuhr als Risikofaktor

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Senioren einen BMI zwischen 24 und 29. Übergewicht verursacht Arteriosklerose, koronare Herzerkrankungen und Diabetes und diese Leiden könnten an der Entstehung von Alzheimer mit beteiligt sein. So wird angenommen, dass ein hoher Insulinspiegel das Gehirn verwundbar macht.

Die Universität Hohenheim bietet sehr nützliche interaktive Seiten.

Den eigenen BMI kann jeder selbst schnell errechnen und beurteilen unter
http://www.uni-hohenheim.de/~wwwin140/info/interaktives/bmi.htm

Der Energiebedarf kann berechnet werden unter
http://www.uni-hohenheim.de/~wwwin140/info/interaktives/energiebed.htm

Relation der Nährstoffe

Von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung wird noch immer empfohlen, dass der Kalorienbedarf wie folgt gedeckt werden soll:

55-60% mit gesunden Kohlenhydraten (vor allem Gemüse und Vollkorngetreide),

20-30% mit Fetten

der Rest mit Proteinen aus pflanzlichem und tierischem Eiweiß.

Diese Relation kann sich etwas verschieben bei sehr hohem oder sehr niedrigem Kalorienbedarf.

Wer gerne überprüfen möchte, ob Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße in der eigenen Ernährung oder in der Ernährung des gepflegten Angehörigen im richtigen Verhältnis sind, der kann das auf einer Seite der Universität Stuttgart Hohenheim tun.
http://www.uni-hohenheim.de/~wwwin140/info/interaktives/foodfreq.htm

 

Hinzuzufügen ist, dass sich in späteren Stadien der Alzheimererkrankung die Prioritäten verschieben. Vorrang hat, was der Angehörige gerne isst. Die häufig auftretende Unterernährung von Alzheimerkranken ist genauso wenig wünschenswert wie starke Überernährung.